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Schreckgespenst: Angst verstärken?!

Wie im Blogeintrag „Silvester mit Hund – Last Minute Tipps“ beschrieben, brauchst du keine Sorge haben: Angst kann durch tatsächliche Hilfe oder als vom Hund angenehm empfundene Aufmerksamkeit der Bezugsperson nicht verstärkt werden. Empfindet der Hund die gegebene Aufmerksamkeit aber als unangenehm, dann kann er mehr Angst bekommen.

FALSCH: Man macht etwas für den Hund in diesem Moment Angenehmes und dadurch bekommt er mehr Angst

Eine kurze fachliche Erklärung dazu: Die (falsche!) Idee ist, dass Angst durch das Hinzufügen von etwas für den Hund Angenehmen (bspw. Zuwendung) mehr wird. Lerntheoretisch steckt die Annahme der positiven Verstärkung dahinter – ein Beispiel für positive Verstärkung: Ein Hund setzt sich hin, bekommt sofort ein Leckerchen und setzt sich in dieser Situation ab nun häufiger hin. Positive Verstärkung ist ein Quadrant der operanten Konditionierung (es gibt noch negative Verstärkung, positive Strafe und negative Strafe). Hinsetzen ist ein Verhalten, ABER: ANGST IST EINE EMOTION UND UNTERLIEGT DAHER NICHT DER OPERANTEN KONDITIONIERUNG! D.H. ANGST KANN (DURCH DAS HINZUFÜGEN VON ETWAS FÜR DEN HUND WIRKLICH ANGENEHMEN) NICHT VERSTÄRKT WERDEN. Der Begriff verstärkt ist hier im Sinn der operanten Konditionierung zu verstehen. Das ist ein „Lerngesetz“, daran ist wirklich nichts zu ändern 

RICHTIG: Man macht etwas für den Hund in diesem Moment Angenehmes und die Angst wird weniger

Noch ein ABER: ANGST KANN DURCH POSITIV GEMEINTE ZUWENDUNG MEHR WERDEN! AUSSAGEN WIE „STREICHELN IST NIE VERKEHRT“ SIND FALSCH! Ich wähle hier sehr bewusst nicht den Begriff „verstärkt“, auch wenn mir bewusst ist, dass das in der Alltagssprache gleichgesetzt wird. Fachlich ist hier aber ein Unterschied! Das ist wichtig, da sonst nicht klar ist, warum Hunde manchmal oder vielleicht sogar häufig noch mehr Angst bekommen, wenn ihre Menschen beginnen sie z.B. zu streicheln.

Häufig empfinden Hunde streicheln als eher unangenehm, erdulden es aber im gewöhnlichen Alltag. Angst macht sensibler. Hat ein Hund Angst, so neigen wir Menschen häufig dazu den Hund anzugreifen und meinen das sehr gut – es kann aber sein, dass dieser Hund das in dieser Situation als sehr unangenehm bis angsteinflößend empfindet! Auch wenn unsere eigentliche Absicht ist zu helfen!! Oder man spricht beruhigend mit dem Hund und beugt sich dabei leicht, kaum merkbar, über diesen. Manchen Hunden ist das immer unangenehm, hat ein Hund aber schon Angst, kann diese dadurch mehr werden. Manche Hunde liegen sehr gerne bei Ihren Menschen, berühren diese dabei eventuell auch. Man nennt dies Kontaktliegen. Kontaktliegen ist aber keine Einladung zum Streicheln! In diesem Video hat Mathilda sich kurz zuvor zu mir gelegt:

Angst-verstaerken-FotoSie mag streicheln nicht besonders (= unangenehm), um das sichtbar zu machen, habe ich sie in dieser Situation sogar intensiv gestreichelt – ihre Reaktion: Aufstehen und weggehen. Hätte sie Angst gehabt, meine Nähe gesucht und ich hätte das daraufhin genauso gemacht, hätte ich ihr damit nichts Gutes getan, obwohl ich es wirklich sehr lieb meine! In Mathildas Fall die richtige Reaktion wäre: Sie bei mir liegen und in Ruhe lassen. Mein Rüde hat in solchen Situationen ganz andere Bedürfnisse: „Körperkontakt ist toll, bitte so viel wie möglich!“

Kein Aufruf Hunde zu ignorieren, sondern ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu respektieren!

Mir ist sehr wichtig, dass dies nicht missverstanden wird: Das ist ausdrücklich kein Aufruf Hunde zu ignorieren, wenn sie Angst haben. Ich hoffe vielmehr dafür sensibel gemacht zu haben, dass wir in Situationen, in denen unsere lieben Vierbeiner unsere Hilfe brauchen, wirklich besondere Rücksicht auf diese nehmen – und ihnen das zukommen zu lassen, was sie wirklich brauchen.

Wichtig: Die Körpersprache des Hundes lesen lernen

Es ist ganz einfach: Wer die Körpersprache seines Hundes nicht lesen kann, kann nicht erkennen, ob ihm etwas bestimmtes gerade gut tut oder nicht. Zumindest nicht früh genug. Du möchtest deinen Hund gerne besser verstehen? Hier meine Top Tipps für Hundehalter:

SEITE AN SEITE Tipp:
Für Einsteiger: Calming Signals DVD + Calming Signals Workbook
Für besonders Interessierte oder Haltern von Hunden mit Verhaltensproblemen: Zusätzlich das Kleingedruckte in der Körpersprache des Hundes

Von | 2018-02-16T15:29:27+00:00 20.04.2016|Angst, Silvester|
Lara hat international mehrere Ausbildungen mit den Schwerpunkten Training und Verhalten von Hunden absolviert (D, USA online, UK), zusätzlich besuchte sie für ein Jahr einen Kurs zu Energetik und Tierkommunikation (AUT). Ihre Trainingsschwerpunkte sind Welpen und die Arbeit mit Hunden mit Verhaltensauffälligkeiten. Sie ist Mitglied der Netzwerke Trainieren statt dominieren und TOP-Trainer. Damit hat sie sich nicht nur dem modernen, gewaltfreien Umgang mit Tieren verschrieben, sondern gehört mit den TOP-Trainern der einzigen deutschsprachigen Vereinigung an, deren hohes Ziel es ist, effizientes Tiertraining auf höchstem Niveau anzubieten.

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