Kontaktieren mich verzweifelte KundInnen, höre ich nicht selten: „Wir haben schon alles probiert! Auch Leckerli! Aber auch das hat nichts gebracht!“ Das ist auch gar nicht so unwahrscheinlich: Die HundehalterInnen versuchen das erwünschte Verhalten zu belohnen, verstärken es aber nicht. Das Fazit ist dann, dass der Hund das „belohnte“ Verhalten auch nicht oder zumindest nicht zuverlässig zeigt.

Von Belohnung…

Für viele Menschen sind Belohnungen einfach Leckerli. Oftmals nur Trockenfutter, vielleicht aber sogar Käse. Oder streicheln, am liebsten das Kopf tätscheln. Aber hast du dir schon einmal Gedanken gemacht, ob dein Hund deine Belohnungen auch belohnend empfindet? Manche Hunde machen für Trockenfutter alles, andere für Käse nicht wirklich etwas. Das typische Kopf tätscheln finden sowieso die meisten Hunde unangenehm. Das Problem mit dem Begriff der Belohnung ist, dass er sehr ungenau ist und meist aus Sicht des Menschen verstanden wird.

…und Verstärkung

Verstärkung ist hingegen ein definierter Begriff: Ein Verstärker macht das verstärkte Verhalten mehr. Und was diese mächtige Wirkung hat, entscheidet der Lernende, in dem Fall also dein Hund. Trockenfutter kann ein Verstärker sein. Käse auch. Tätscheln wirklich nur ganz selten. Ob deine Belohnungen in einer bestimmten Situation für deinen Hund Verstärker sind, siehst du zuverlässig daran, ob er das Verhalten nun öfter zeigt.

 

Und noch etwas: Verstärker sind bei Weitem nicht nur Leckerchen! Die größten Ablenkungen sind für deinen Hund die besten Verstärker! Warum nicht einmal einmal ein Felldummy für den jagdambitionierten Hund als Rückruf-Verstärker werfen? Oder den Labrador für ein „Bleib“ in die Gatschlacke hüpfen lassen?

Kurz und bündig: Deine Belohnung muss so toll sein, dass das belohnte Verhalten mehr wird. Wird es mehr, dann verstärkst du es. Wird es nicht mehr, verstärkst du dieses Verhalten nicht.

Praxistipp

  1. Notiere die 10 größten Ablenkungen deines Hundes. – Das sind die Dinge, für die er brennt!
  2. Überlege dir, wie du diese Dinge im Training einsetzen kannst.

Beispiel: Sind Hündinnen in unserer Nachbarschaft läufig, ist es meinem Sokrates total wichtig über Urinstellen zu markieren. Das Interesse ist verständlich, er ist ein intakter Rüde. Da ich die Hot Spots in unserer Umgebung kenne, habe ich mit ihm in der Nähe dieser u.a. das Gehen an lockerer Leine bei schwieriger Ablenkung geübt und ihn als „Belohnung“ zu den Urinstellen geschickt. Die Leinenführigkeit wurde immer besser, d.h.  bei ihm war es ein Verstärker.Meine Hündin hat daran übrigens kein besonderes Interesse. Ja, sie schnuppert und markiert vielleicht, aber nicht mit Leidenschaft. Glaubst du wäre das für sie ein Verstärker?

Übrigens: Das ist ein Beitrag zur Blogparade 2019 „FAIR statt fies“ – DER Blogparade der gewaltfreien Hundeszene 2019

Vom 10. Oktober bis zum 15. November 2019 gibt es für Hundefreunde kostenlose Tipps zum Leben und Training mit Hunden – allesamt fair, freundlich und gewaltfrei. Eine Übersicht über alle Beiträge und die Links dazu findest du hier.