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Sitz am Straßenrand…und bessere Ideen

Wie viele Hunde sehe ich, die sich bei jeder Bordsteinkante hinsetzen müssen? Sehr viele. Und fast genauso viele gestresste mit immer wieder „Sitz! … Sitz! …“ wiederholenden Menschen, wenn das nicht so recht klappen mag. An ungehorsamen Hunden liegt das nicht. Zumeist sind das Hunde, die sich z.B. aufgrund der vorbeifahrenden Autos unwohl fühlen oder sogar richtig Angst haben und einfach etwas Abstand gewinnen möchten. Übrigens: Eine sehr soziale Lösungsstrategie!

Viele Hunde setzen sich auch scheinbar automatisch hin. Häufig liegt das aber nicht daran, dass sie das Sitzen wirklich so klasse finden. Viele wurden (und werden zumindest immer noch ab und an) dafür belohnt und/oder es erfolgt für dieses Verhalten keine unangenehme Einwirkung. Diese Hunde werden die Tendenz zeigen, sich hinzusetzen.

Warum ein generelles „Sitz“ beim Gehsteigrand keine so gute Idee ist…

Kurz und knapp: Sitzen ist in manchen Situationen recht schnell unangenehm! Wer sitzt schon gerne in Pfützen oder auf eiskaltem Asphalt? Viele Hunden haben einfach nicht die Fellstruktur, dass ihnen das egal sein könnte – potentielle Gefahr einer Blasenentzündung inklusive. Und selbst wenn: je dichter das Fell, desto schmutziger ist dein Hund und bei Schnee klebt das gestreute Salz nicht nur zwischen den Pfoten, sondern auch am Po.

Falls du dich jetzt fragst: Klar kann es einmal Sinn machen ein Sitz Signal in einer Straßenrand-Situation abzufragen! Aber die generelle Idee Hunde haben beim Gehsteigrand zu sitzen, ist aus oben genannten Gründen keine gute.

…und welche Alternativen du hast

Dein Hund kann stehen bleiben! Bei längeren Ampelphasen setzen sich manche Hunde wirklich gerne hin – für mich völlig OK. Trotzdem empfehle ich das Stehen zu verstärken („belohnen“), da uns die Lerntheorie (Matching Law) sagt, dass Hunde das Verhalten öfter zeigen werden, für das sie auch öfter einen Verstärker („Belohnung“) bekommen haben.

Drei Varianten dazu:

  1. Dein Hund lernt das Wort- oder Handsignal „Warte“, daraufhin soll er stehen bleiben.
  2. Dein Hund lernt das Signal Bordsteinkante, d.h. die Bordsteinkante (! kein Hör- oder Sichtzeichen des Menschen) ist sein Signal stehen zu bleiben.
    Wichtig: Dein Hund muss lernen ca. 75cm entfernt von der Bordsteinkante zu sitzen!
  3. Dein Hund lernt die Orientierung an dir und sein Signal stehen zu bleiben ist dein Stehen bleiben.

Ich z.B. bevorzuge Variante 3, da es für mich einfach die praktischste ist.

Dann gilt es aber noch zu überlegen, auf welches Signal hin dein Hund weitergehen soll. Hier zwei Möglichkeiten:

  1. Dein Hund lernt dafür ein beliebiges Hör- oder Sichtzeichen, bspw. ein „Weiter“. Das beinhaltet, dass er auch stehen bleibt, wenn du weitergehst ohne dieses Hör- oder Sichtzeichen zu geben.
  2. Dein Hund lernt, dass dein Weitergehen das Signal ist, dass auch er weitergehen soll.

Auch hier bevorzuge ich wieder die letzte Variante, da sie für mich in meinem Alltag die angenehmste ist.

 

Immer wichtig: Halte so viel Abstand vom Straßenrand, dass dein Hund sich in der Situation wohl fühlt! Wenn das so weit ist, dass ihr die Grünphase der Ampel nicht erwischt, dann wird es Zeit für professionelle Unterstützung – damit ihr beide die Gassigänge in der Stadt entspannt genießen könnt 🙂

Von |2018-08-14T19:22:03+00:0016.08.2016|Training|
Lara hat international mehrere Ausbildungen mit den Schwerpunkten Training und Verhalten von Hunden absolviert (D, USA online, UK), zusätzlich besuchte sie für ein Jahr einen Kurs zu Energetik und Tierkommunikation (AUT). Ihre Trainingsschwerpunkte sind Welpen und die Arbeit mit Hunden mit Verhaltensauffälligkeiten. Sie ist Mitglied der Netzwerke Trainieren statt dominieren und TOP-Trainer. Damit hat sie sich nicht nur dem modernen, gewaltfreien Umgang mit Tieren verschrieben, sondern gehört mit den TOP-Trainern der einzigen deutschsprachigen Vereinigung an, deren hohes Ziel es ist, effizientes Tiertraining auf höchstem Niveau anzubieten.

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